Israel Kirzner in Berlin: Die Mises-Hayek-Revolution

Israel Kirzner sprach bei seinem ersten Besuch in Berlin über eine österreichische Revolution in der Volkswirtschaftslehre von 1937 bis 1948. Anlässlich der Verleihung der Hayek-Medaille thematisierte der Doyen der Entrepreneur-Theorie den Subjektivismus von Friedrich August von Hayek (“Hayek and the meaning of subjectivism”). Kirzner zeigte in seiner ideengeschichtlichen Untersuchung auf, dass sich in den 10 Jahren bis zum Aufsatz Hayeks “The meaning of competition” ein miseanisch-hayekscher Bruch mit dem Mainstream vollzogen habe, der den Protagonisten selbst erst allmählich bewusst wurde. Damit sei die Österreichische Schule auf eine neue Grundlage gestellt worden.
Der Mainstream schien in dieser Zeit scheinbar einen endgültigen Sieg über die Österreicher errungen zu haben. Vertreten wurde die Vorstellung eines optimalen, rationalen und bewusst beschrittenen Wettbewerbs, der in einem Gleichgewicht mündete. Angemerkt sei: Noch heute ist dies eine vielfach vorherrschende Auffassung, die sich unter anderem in der Politik des Kartellamtes niederschlägt. Mises und Hayek zeigten für den 1930 in London geborenen Professor an der NYU hingegen in dieser Zeit auf, dass der Wettbewerb einem vielfältigen tastenden Versuch gleiche, der in Form eines Entwicklungs- und Entdeckungsverfahrens erst durch die Entscheidungen der Marktteilnehmer jene Informationen erzeuge, die wiederum Informationen und Impulse für den fortwährenden Wettbewerbsprozess lieferten. Das Ergebnis sei kaum jemals ein vollständiges, sondern allenfalls ein temporäres Gleichgewicht, das indes ständig im Fluss sei. Mises Beitrag habe in der Entrepreneur-Sicht, Hayeks in der Wissensentstehung und -verarbeitung bestanden. Beide Perspektiven würden sich ergänzen und hätten zusammen ein neues Verständnis des Wettbewerbs ergeben, dass sich fundamental vom Mainstream unterscheide.
Der 1957 bei Ludwig von Mises promovierte New Yorker machte mit seiner Fülle von Bezügen zu den Werken von Mises und Hayek deutlich, wie sehr die Arbeiten beider auf einander bezogen sind. Möglicherweise hat der zur Zeit wohl führende und einflussreichste Österreicher in den USA, Peter Boettke, aus Gesprächen mit Israel Kirzner sein Diktum abgeleitet, man solle Mises stets aus der Perspektive von Hayek und Hayek stets aus der Mises-Perspektive lesen. Wie dem auch sei, auf eindringliche Weise führte Israel Kirzner mit kräftiger Stimme (immerhin im Alter von 85 Jahren) aus, dass Mises und Hayek in der bedeutsamen Dekade ab 1937 sich mit ihren Arbeiten ergänzten und gegenseitig bereicherten. Zugleich wurde deutlich: ohne Mises kein Hayek.

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