Über die Grundlagen eines guten Lebens und einer guten Gesellschaft

Adam Smith kann unser Leben noch heute bereichern. In den vergangenen rund 250 Jahren hat der herausragende Synthetisierer ökonomischer Erkenntnisse der Aufklärung mit seinen tiefen Einsichten in das wirtschaftliche und soziale Leben einen bedeutenden Einfluss ausgeübt. Er gehört zu den großen Denkern, die für die Verbesserung von Wirtschaft und Gesellschaft mehr als einen Kompass, nämliche grundlegenden Einsichten in die Fundamente und das Zusammenwirken unserer Leben zur Verfügung gestellt haben. Darin unterscheidet er sich von den Intellektuellen, denen Roland Baader folgerichtig bescheinigt hat, die Menschen „totgedacht“ zu haben.

Was uns Adam Smith heute zu sagen hat, erklärt Russ Roberts, Research Fellow der Hoover Institution an der Universität Stanford und Gastgeber des prämierten wöchentlichen Podcasts Econtalk. Der Ökonom und Hayekianer konzentriert sich dabei auf Smiths erstes Buch, „Theorie der ethischen Gefühle“, und nimmt nur hin und wieder, dann stets in erhellender Kontrastierung und Ergänzung, Bezug zum „Wohlstand der Nationen“.

Das Ergebnis ist ein sehr lesenswertes, kurzweiliges Buch, das gleichermaßen als persönlicher Ratgeber fungieren kann wie auch als Anleitung für eine gute Gesellschaft. Wie kann das sein? Nun, kurz gesagt bildet die gute persönliche Lebensführung die Grundlage für das persönliche Glück und zugleich den Beitrag zu einer guten, gelingenden Gesellschaft. In der „Theorie der ethischen Gefühle“ beschäftigt sich Smith mit dem Einzelnen und seinem Leben in der Gemeinschaft. Im Wohlstand der Nationen geht es um die anonymen Marktbeziehungen, darunter auch Arbeitsteilung, als Voraussetzung für wachsenden Wohlstand.

Die Formel für ein glückliches gelingendes Leben, die Russ Roberts der Theorie der ethischen Gefühle entnimmt lautet: to be loved + being lovely. Im Adam Smith Original: „Man naturally desires, not only to be loved, but to be lovely.“ Dabei resultiert das Eine aus dem Anderen. Was ist damit gemeint? Es gehöre zur Natur des Menschen, dass seine Glückseeligkeit dem Bewusstsein entspringe, geliebt zu werden und noch dazu diese Liebe zu verdienen. Folglich ist es für Adam Smith nur natürlich, dass geliebt werden aus einem liebenswerten Verhalten resultiert. Liebe meint mehr als das heute dominierende romantische Verständnis, nämlich vielmehr Respekt aufgrund anständigem, anerkennenswürdigem Verhalten.

Adam Smith nennt eine einfache Verhaltenstrias für ein glückliches Leben: gesund leben, schuldenfrei sein und klug handeln. Das ist die Grundlage und in vielerlei Hinsicht bereits ausreichend. Allerdings streben wir Menschen regelmäßig nach mehr. Es wäre indes unklug und kontraproduktiv, den Pfad der Tugend zu verlassen indem wir nach billigen Ausdrucksformen der Anerkennung streben. So wird die Sphäre liebenswerten Verhaltens zwar von der Sehnsucht des Einzelnen nach Anerkennung getriggert, aber getragen durch das Streben nach gutem Handeln, wobei ein stetes Abgleichen des Individuums bei seinem Handeln mit einem unparteiischen Beobachter stattfindet. Wir möchten gut behandelt werden und überprüfen unser Handeln, ob es die Zustimmung anderer finden würde. Wer möchte, findet den Kant’schen Imperativ darin. Angemessenes Verhalten ist eine andere passende Formulierung. Und wie Russ Roberts zum Ende des Buchs aufzeigt dient der Dominoeffekt einer guten Tat als Vorbild weiterer guter Taten.

Eine Folge ist, dass wir in den allermeisten Bereichen unseres Zusammenlebens keinen Staat und keine Gesetze benötigen, die im Gegenteil eher Schaden stiften. Das in Konventionen gegossene gute Verhalten und die Abwehr schlechter Taten lassen sich nicht in Paragraphendefinitionen pressen. Ebenso bedeutend ist, dass sich die Natur des Menschen durch Gebote und Verbote nicht verändern lässt. Nudging und ökologistisch-revolutionäre Regulierungsvorstellungen werden daher an der Realität zerschellen oder in totalitäres Verhalten umschlagen. Gutes Verhalten und Moral entstehen emergent, ohne Plan, ohne Anweisung, durch Interaktion. Das ist ein wenig perfektes Verfahren. Indes bringen Gesellschaftsklempner, ob wohl meinend oder machthungrig, eine Zivilisation in Gefahr.

Damit ist eine der vielen faszinierenden Stellen des Buches angesprochen, die für Freunde Hayeks wie auch von Klassikern wie David Hume, Adam Ferguson und James Mill für ein glückliches Lächeln sorgt: Die gute Gesellschaft beruht auf einer spontanen Ordnung, gleicht dem Kosmos und unterscheidet sich von der Taxis. Sie erfordert, dass Menschen gutes von schlechtem Verhalten unterscheiden können und den Unterschied ihren Kindern beibringen – tagtäglich, im Klein-Klein des Alltags. Die freie Gesellschaft wächst langsam und bringt allmählich Gutes hervor. Russ Roberts nennt auch dieses Beispiel: Nach dem Zweiten Weltkrieg sei der Tabak-Konsum ohne und vor staatlichen Interventionen um 50% zurückgegangen.

Das gute Leben ist recht einfach zu erlangen, wenn man Adam Smiths Erkenntnis folgt, und damit ist das Glück so nah. Es besteht nicht im Streben nach Ruhm, Reichtum und Macht, sondern vielmehr darin geliebt zu werden und sich Liebe respektive Anerkennung und Bedeutung durch liebenswertes Verhalten zu verdienen. Der erste Schritt dazu ist ein ehrlicher Umgang mit sich selbst. Der zweite bedeutet, Respekt, Anerkennung und Bewunderung durch ehrliches Handeln zu erlangen. Mit anderen Worten: Achte auf Dich selbst und Deine Taten, verletze keine anderen und behandle Deine Mitmenschen gut! So kann jeder zu einer besseren Welt beitragen.

Michael von Prollius

Literatur: Russ Roberts: How Adam Smith can change your life. An unexpected Guide to Human Nature and Happiness, Penguin Books o.O. 2014, 261 S., 12,96 Euro.

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