Die Nachfrage nach Gütern ist nicht identisch mit der Nachfrage nach Arbeit

Einer der größten Irrtümer der westlichen Gesellschaften wurde durch Friedrich August von Hayek bereits am 27.01.1981 an der London School of Economics entzaubert. Sein Vortrag „The Flow of Goods and Services“* entlarvt die heute noch weit verbreitete Auffassung von John Maynard Keynes als fundamentalen Irrtum, dass die Nachfrage nach Gütern gleichsam automatisch der Nachfrage nach Arbeit entspreche.

Auf diesem falschen mentalen Modell beruhen jedoch Überzeugungen wie der Staat könne oder müsse sogar in einer wirtschaftlichen Abschwungphase durch Nachfragestimulierung die Konjunktur beleben oder der Staat schaffe Arbeitsplätze, durch Versuche das wirtschaftliche Wachstum zu stimulieren. In Wahlkämpfen plakatierte Slogans wie „Mehr Wachstum. Mehr Arbeit“ sind folglich lediglich Belege für die ökonomische Unbedarftheit ihrer Urheber.

Für Hayek besteht die einzige Möglichkeit des Staates zur Verbesserung des wirtschaftlichen Wachstums und der Nachfrage nach Arbeit darin, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, die für die größtmögliche Flexibilität von Preisen sorgen, gerade auf dem Arbeitsmarkt. Hayek argumentiert wie folgt:

Zeitliche und horizontale Verteilung von Gütern

Jede Produktion braucht Zeit bis sie dem Konsumenten zugute kommt. Für den Hersteller sind Ort und Zeit der Verwendung seiner produzierten Güter zumeist genauso unbekannt wie der Erfolg seiner Anstrengungen. Das liegt daran, dass die Produktion einem vieladrigen Fluss gleicht, der an seiner Mündung eine unaufhörliche Zahl und Vielfalt von Endprodukten hervorbringt. Nun sind aber die vielen Elemente des Stromes nicht für ihre zukünftige Bestimmung markiert oder vorbestimmt. Vielmehr entscheiden auf jeder der aufeinander folgenden Produktionsstufen die jeweiligen Preisgefälle darüber, so Hayek, welcher Teil der gesamten Ausbringung eines Gutes in welche der verschiedenen möglichen Richtungen fließt. Diese horizontale Verteilung wird noch durch eine zeitliche Verteilung beeinflusst, denn die vergangenen Stromdurchflüsse haben jeweils das Strombett für den gegenwärtigen Strom vorbereitet.

Ressourcenverteilung durch Preissignale

Die Verteilung der Ressourcen zur Befriedigung des breiten Bedürfnisspektrums erfolgt also durch die Lenkung der Preissignale. Das gilt gleichermaßen für die Produktion wie für den Konsum. Folglich gilt: Niemand hat die Macht zu bestimmen, wie das insgesamt eingesetzte Kapital verwendet wird, außer der Marktprozess, der sich aus einer Vielzahl individueller Anbieter und Nachfrager zusammensetzt, die den Preissignalen gehorchen.

Input ist nicht gleich Output

Das aggregierte Inputvolumen entspricht selten dem aggregierten Outputvolumen. Zwar wächst und schrumpft das Volumen des Stroms, weil sich die Nachfrage nach den Primärfaktoren ändert. Gleichwohl ist das keynesianische Bild einer Röhre irreführend, in die nur ausreichend hineingepumpt oder aus der nur genügend herausgesaugt werden müsse. Das Reservoir zischen den beiden Enden ist nämlich elastisch oder variabel. Und die Veränderung des Stromes hängt von Faktoren ab, die Keynes vernachlässigt hat. So überträgt sich die Nachfrage nicht eins zu eins auf den Strom, sondern Nachfrage und Produktion sind Prozesse, die sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und teilweise auch in entgegen gesetzte Richtungen bewegen. Infolgedessen befindet sich der Strom niemals im Gleichgewicht, „denn gerade das Ungleichgewicht hält ihn in Fluss und bestimmt seine Richtung.“ (Hayek)

Exkurs: Stärkung der Nachfrage senkt nicht die Arbeitslosigkeit

Lohnsteigerungen führen wegen der Quantitätstheorie des Geldes nicht zu mehr Nachfrage. Vielmehr ist das Ergebnis einer höheren Geldmenge, ohne dass dieser eine gewachsene Gütermenge entspricht, Inflation. Hinzu kommt ein Crowding out Effekt, da das Kapital nicht mehr für Investitionen zur Verfügung steht. Milton Friedman hat zudem darauf hingewiesen, dass die Konsumnachfrage nicht vom aktuellen Einkommen bestimmt wird, sondern von dem dauerhaft zu erwartenden Einkommensstrom aus Arbeit und anderen Vermögen.

Die Größe des Flusses hängt vom Preisgefälle ab

Wieviele der potenziellen produktiven Kräften vom Strom absorbiert werden können, hängt erstens davon ab, ob genügend derartige Preissignale oder Signalkonstellationen auf ‚Freie Fahrt’ stehen und dadurch anzeigen, dass in bestimmten Richtungen die Outputpreise die Inputpreise übertreffen, und zweitens davon, ob die Gesamtstruktur der Signale eine Zu- oder Abnahme des Volumens des gesamten Stroms begünstigt und nicht lediglich die Ausflussrate an seiner Mündung.“ (Hayek) Insofern gilt: Das freie Spiel der Preise gibt den Menschen vor, was sie ökonomisch zu tun haben; und häufig bedeutet dies, dass sie etwas anderes tun müssen, als sie beabsichtigt haben.

Arbeitslosigkeit ist Resultat von Eingriffen in den Preismechanismus

Da die Produktionsstruktur durch relative Preise geordnet wird, verursachen Störungen Arbeitslosigkeit. Dies gilt insbesondere, wenn die Preise für Arbeit unbeweglich sind, zumal dann viele Arterien verstopft werden. Arbeitslosigkeit ist also weniger eine Funktion der aggregierten Nachfrage als vielmehr der Elastizität der Preisstruktur. Je (zwangsweise) stabiler die Preise, desto schlechter die Koordination, desto höher die Arbeitslosigkeit! Mit anderen Worten: Die Versuche der Politik, die gesellschaftliche Arbeitsteilung durch Steuerungsversuche von Märkten zu beeinflussen, missachtet die grundverschiedenen Funktionsmechanismen von Politik (Macht) und Wirtschaft (Preis).

Aufgabe des Staates

Jedweder politische Eingriff in den feinadrigen Strom, vor allem in die freie Preisbildung auf Wettbewerbsmärkten, behindert die Koordination der produktiven Anstrengungen – ob Preisfestsetzung, monopolistische Preisbildung (staatlich geschützte Monopole) oder Einkommenspolitik (marktinkonforme Umverteilung),. Sie stellen eine Anmaßung von Wissen dar – mit den bekannten Folgen: Arbeitslosigkeit und Nicht-Erhältlichkeit von Gütern. Aufgabe des Staates ist es daher, die Rahmenbedingungen für das Fließen des Stromes – und damit die Flexibilität der Preise – zu verbessern, denn: „Wirtschaften ist ein Problem, unvorhergesehene Möglichkeiten auszunutzen, und kein vorher entworfener Plan kann dieses Problem lösen.“ (Hayek)

* Friedrich August von Hayek: Der Strom der Güter und Leistungen“, in: ders.: Die Anmaßung von Wissen, hrsg. von Wolfgang Kerber, Tübingen (Mohr) 1996, S. 130 – 147; oder Sonderdruck des Walter-Eucken-Instituts, Vorträge und Aufsätze, Band 101, Tübingen (Mohr) 1984.

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