Geständnisse eines liberalen Bürgers

Die Corona-Krise eignet sich, um innezuhalten und einmal etwas tiefgehender Bilanz zu ziehen. Eine ideale Gelegenheit für jemanden, der in der Mitte seines Lebens steht, das sehr persönlich zu tun. Wer Independent-Filme mag, der sollte zum Buch von B. Preisler greifen. Der Film entsteht beim Lesen im Kopf.

Der Autor richtet seinen Blick auf die Welt mit 40 wie der treffende Titel des lesenswerten kleinen Bandes lautet. Zwar schreibt er für die Jahrgänge von 1975 bis 1985. Das ist für ihn die MTV und Tom Cruise Generation. Indes sei auch jüngeren und älteren Lesern die Lektüre empfohlen. Die jüngeren können besser ermessen, was auf sie zukommt. Die älteren werden nicken, vielleicht sich vergleichen, erleichtert erinnern und weiterdenken. Jeder wird Gelegenheiten bekommen zum Schmunzeln. Ob angesichts der Selbsteinstufung auf der Aussehensskala als 4 und der Beziehung mit einer 10 oder der nüchternen Schlussfolgerung, dass Herr Habeck als Bundeskanzler monatlich 6 Stunden mehr Arbeit bedeuten wird, um den Lebensstandard zu halten. Auch die in der Kita erkennbare Karriere der kleinen Tochter als künftiger MMA-Profi gehört dazu.

Zwei Drittel des Buches bestehen aus chronologisch angeordneten Betrachtungen, die von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter reichen und mit den Herausforderungen eines Ehemanns und Familienvaters verknüpft sind. Durchweg verwandelt sich das Selbstgespräch des Autors in eines mit dem Leser. In der Mitte des Buches wird es sehr persönlich, wenn der Autor die Bewältigung einer Lebensmitte- und Partnerschaftskrise schildert. Regelmäßig werden persönliche Erlebnisse mit nüchterner Statistik einordnend verbunden. Das Ergebnis ist eine Art „Confessions of a Normal Mind“.

Genau das macht das Buch so lesenswert: Es ist im besten Sinne unaufgeregt. Es zeigt die normalen Herausforderungen eines normalen, gelungenen Lebens auf. Es weist auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens hin und auf die wirklich schönen Dinge wie den Besuch des Streichelzoos mit Papa als Ritual und Ruhepunkt. Die Lebensgeschichte hat eine Art Happy End. Der Hausdrache wird gezähmt und dabei zähmt sich der Ritter selbst. Es ist eine Leistung unter Druck zu wachsen und bei der Betrachtung der Dinge nüchtern zu werden. In einer Ehe heißt das regelmäßig auch durchhalten. Es wird dann wieder besser.

Der kleine Band zeigt nicht zuletzt was einen liberalen Bürger auszeichnet. Primat der persönlichen Lebensherausforderungen statt medialer Hysterie. Grautöne statt schwarz und weiß beim Blick auf Politik und Gesellschaft, ob EU, Amerika oder Klimawandel. Der Text auf dem Buchrücken trifft es: „Das Buch gibt keine einfachen Antworten, versucht vielmehr die uns bedrängenden Fragen zu vereinfachen und den inneren Dialog unserer Generation abzubilden. In Ansätzen ist auch die Bewältigung einer Lebensmittekrise nicht zu leugnen.“ Mich hat es berührt.

Literatur: B. Preisler: Ein Blick auf die Welt mit 40, BoD, Norderstedt 2021, 111 S., Taschenbuch 5,99 Euro, Kindle 2,99 Euro.

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