Wie würde eine Welt ohne staatliche Geldmonopole aussehen?

Für viele Menschen ist eine Welt schwer vorstellbar, in der Geld nicht vom Staat kommt. Zugleich ist vielen gar nicht klar, dass es sich bei allen nationalen Währungssystemen um staatliche Monopole handelt, die weder natürlich sind noch deren Aufrechterhaltung erstrebenswert sein könnte. Ein wenig ähnelt die Lage der Geld-Welt der vor der Privatisierung des Telekom-Sektors.

Der amerikanische Ökonom George Selgin, bekannt für seine Arbeiten zum Free Banking und zur Geldpolitik, ist seit einigen Jahren von der Universität zum Cato Institut gewechselt. Dort leitet er das Center for Monetary and Financial Alternatives.

Genau diese Alternativen hat er in einem aktuellen Beitrag unter libertarianism.org skizziert: „What would the world look like if money wasn’t quite as tied to governments as it is now?“ Dabei nimmt er die Konsumenten-Perspektive ein, die für Marktwirtschaften die entscheidende ist. 

Zwei grundlegende Einsichten erscheinen bedenkenswert:

  1. Zwar ist unabsehbar zu welchen Innovationen ein freies Geldwesen führen würde. Zugleich würde es mehr und bessere Innovationen in einem wettbewerblichen Geld- und Bankensystem geben als das jemals in einem zentralisierten und schwer regulierten System der Fall sein kann.
  2. Im Unterschied zu Staatssystemen könnten sich die Innovationen in einem freien Geldwesen nur dann durchsetzen, wenn die Konsumenten sie freiwillig akzeptieren. Zugleich wäre es für private Unternehmen unmöglich, Regulierungen gegen den Willen der Öffentlichkeit durchzusetzen. 

Kurz: Wir alle würden in einer besseren Welt leben, wenn es ein freies Geldwesen geben würde, das die Hürde der Verbraucher-Akzeptanz meistern müsste. Der Bezahl-Alltag würde sich zunächst wenig von heute unterscheiden, später würden Innovationen den Alltag in vielen Facetten verbessern.

George Selgin thematisiert weitere Eigenheiten, die in der Debatte um ein freies Geldwesen eine zentrale Rolle spielen und unter Liberalen umstritten sind. Wahrscheinlich sind für ihn:

  • Eine kleine Zahl führender Währungen, vielleicht sogar eine führende Währung in den meisten Regionen der Welt. Der führende Währungsstandard könnte noch der US-Dollar sein oder eine Cryptowährung, vielleicht auch eine Einheit Gold, Silber oder eine ausländische Währung. Auch eine parallele Existenz sei plausibel.
  • Nahezu alle Transaktionen würden digital stattfinden und zwar mit ähnlichen Bankdepositen wie heute. Das freie Bankwesen würde mit den privaten Währungen auf einem privaten Clearingsystem aufsetzen. 
  • Für die Regulierung der Geldmenge gebe es zwei Ansätze: entweder eine Regulierung der Geldmenge selbst durch eine Formel oder aber durch eine Konvertierbarkeitsregel, z.B. Dollar in Gold oder in ein anderes knappes Gut. Letztere habe sich historisch als sehr erfolgreich erwiesen. 
  • Ein Goldstandard einer Zentralbank sei hingegen ein wenig wahrscheinliches Szenario, weil der tiefe Vertrauensverlust dazu führende würde, dass Spekulanten das Konvertibilitätsversprechen testen würden.
  • 100-Prozent-Reserve-Standards würden sich allenfalls sehr vereinzelt halten können, da sie im Wettbewerb zu Teilreserve-Währungen unterlegen seien.

Warum plädieren Free Banker und Freunde eines freien Geldwesens für ein Ende staatlicher Monopole? Im Wesentlichen sind es dieselben Gründe, die für eine Marktwirtschaft und gegen eine Staatswirtschaft sprechen. Friedrich August von Hayek hatte explizit die Regierungen kritisiert, die noch immer das Geld zum Schaden der Bevölkerungen verschlechtert haben.

Eine aktuelle Bilanz des Schwedischen Experiments mit negativen Zentralbankzinsen illustriert dies neuerlich. Aller Wahrscheinlichkeit nach übersteigen die Kosten dieses 2019 beendeten Experiments den Nutzen. Besonders gravierend ist dabei, dass die Riksbank zu extremen Maßnahmen greifen musste, um die Konsumentenpreisinflation zu erhöhen und doch erfolglos blieb, während die negativen Folgen für die Häuser- und Finanzmärkte – und damit für die Bürger – beträchtlich waren. Zugleich gebe es international keinen Beleg, dass eine geringe Geldentwertung messbare negative Wirkungen auf die Wirtschaft hat. 

Das erstaunt nicht, denn wer möchte ein Gut besitzen, das kontinuierlich von Bürokraten entwertet wird?

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