Der Untergang des Römischen Reiches hatte ökonomische Gründe

Ich denke .., es liegt eine wirkliche Gefahr für die Gegenwart in einer Vorstellung der Vergangenheit, die sich explizit vornimmt, jede Krise und jeden Niedergang auszuradieren.“ mahnt der Althistoriker Bryan Ward-Perkins. Seine lesenswerte Abhandlung über den Untergang des Römischen Reiches ist eine Entgegnung auf neumodische und politisch korrekte Strömungen in der Forschung, die eine Transformation statt eines Niedergangs behaupten und die von einer (friedlichen) Integration germanischer Invasoren sprechen.

Dem setzt Bryan Ward-Perkins die gut unterfütterte These eines Zivilisationsendes entgegen. Bemerkenswerterweise beruht seine Argumentation, die mit vielen archäologischen Befunden punkten kann, auf ökonomischen Erklärungsmustern; so muss es „eine enge Verknüpfung zwischen dem Zerfall des römischen Imperiums und der Auflösung der antiken Wirtschaft gegeben haben.

Für einen gewaltsamen und insbesondere für viele Menschen schmerzhaften Niedergang sprechen zahlreiche Kriege, Bürgerkriege und das zeitweise Aufflammen entgrenzter Gewalt – die Zeitgenossen wären von einem Bild des Friedens und der Integration überrascht.

Als Schlüsselelement für den Misserfolg Roms macht der Althistoriker und Archäologe das mangelhafte Wohlergehen der Steuerzahler aus. Infolgedessen konnte die hochprofessionelle Armee nicht mehr in gleichem Maße ausgestattet werden. Offen bleibt wie dieser Teufelskreislauf wegbrechender Steuern und sinkender Militärkraft gerade in Krisenzeiten zustande kam. Hier hätte stärker auf den an späterer Stelle hervorgehobenen Zusammenhang von Tausch und Arbeitsteilung – hinzuzufügen ist Herrschaft des Rechts – hingewiesen werden können. Die Stets differenzierte Argumentation zeigt sich beispielhaft, wenn hervorgehoben wird, dass der Untergang West-Roms keinesfalls unausweichlich war.

Der große zweite Teil des Buches illustriert facettenreich anhand der damals so bedeutenden Keramik, die mit dem heutigen Plastik vergleichbar erscheint, wie professionell und qualitativ wertvoll für breite Massen unter anderem Keramikgefäße produziert wurden. Das Römische Reich brachte Wohlstand für alle, die Zeit danach einen Rückfall in vorantike Lebensverhältnisse; das gilt auch für die Fertigkeiten Schreiben und Lesen. Das Ende des Imperiums war gleichbedeutend mit dem Ende eines komplexen Wirtschaftssystems. Die Bevölkerung schrumpfte erheblich.

Wie so häufig bei Schriftstellern in angelsächsischer Tradition ist der Band sehr verständlich geschrieben und gut strukturiert, ohne an durchweg wissenschaftlicher Ausrichtung zu verlieren. Er endet mit einem Plädoyer für das Konzept der Spätantike, zu dem der Berliner Alt- und Universalhistoriker Alexander Demandt bekanntlich einen monumentalen Beitrag geliefert hat. Fazit: Ein lehrreiches Bildungsbuch, das gut in der Hand liegt und der Wirtschaft eine angemessene Bedeutung zuweist.

Michael von Prollius

Bryan Ward-Perkins: Der Untergang des Römischen Reiches und das Ende der Zivilisation, (Engl. Erstauflage 2005) Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2007, 240 S., 29,90 Euro

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