Propaganda – gestern und heute

Der Begriff „Public Relations“ geht auf Edward Bernays (1891-1955) zurück, der 1928 das Buch „Propaganda“ schrieb und aufgrund der mangelnden Popularität des Begriffs einen anderen erfand. Sein Buch ist selbst ein PR-Produkt. Bernays vermarktet Propaganda aus Überzeugung als ein sinnvolles und notwendiges Mittel zur Steuerung der Massenmeinung. Bernays war erfolgreich für US-Regierungen, Tabakkonzerne und karikative Zwecke tätig.

Seine zentrale These lautet, die Gesellschaft habe sich einverstanden erklärt, „über Propaganda und Meinungsmanagement gesteuert zu werden.“ Die Organisation und Konzentration der öffentlichen Meinung sei für ein geregeltes Zusammenleben unerlässlich. Je komplexer die Gesellschaft desto konsequenter seien die technischen Mittel zur Steuerung der öffentlichen Meinung zu nutzen, darunter Druckerpresse, Zeitung, Eisenbahn, Telefon, Telegraf, Radio und Flugzeug.

Bernays ist der Überzeugung, dass wir von Meinungsführern und Medien Positionen und Beweisführung, vom ethischen Führungspersonal der vorherrschenden Meinung Verhaltensnormen übernehmen. Das ist richtig und angesichts der überbordenden Fehleinschätzungen heute zugleich einmal mehr gefährlicher denn je. In den 1920er Jahren schrieb ein späterer führender deutscher Politiker noch unverblümt in seinem Hauptwerk: „Die Propaganda versucht eine Lehre dem ganzen Volke aufzuzwingen“.

Genau das ist heute der Fall, ob Euro-Krise und alternativlose Rettungspolitik, Energiewende und Rettung der Erde vor dem Klimakollaps, gesundes Leben, Lifestyle und politische Korrektheit.

PR oder Propaganda, das sind die Strukturen und Mechanismen, mit denen die öffentliche Meinung und das öffentliche Bewusstsein gesteuert werden. Wie die Öffentlichkeit gezielt manipuliert wird, wie die Zustimmung der Bevölkerung systematisch gewonnen wird, durch Nutzen von Klischeevorstellungen, bekannten Verhaltensmustern und Schlüsselpersonen, um die Wünsche der Massen zu kanalisieren und zu manifestieren, das zeigt Edward Bernays in seinem Standardwerk. „Propaganda. Die Kunst der Public Relations“ hat nichts an Aktualität eingebüßt.

Politiker wie der US-Präsident Calvon Coolidge trafen sich damals erstmals mit Schauspielern, um ihr Publikum für sich zu gewinnen. Bernays wirbt für Propaganda zum Nutzen der Frauenbewegung, zum Vorteil für die Bildung, die nicht den angemessenen Stellenwert besitze, genauso wie sich soziale Arbeit durch Propaganda aufwerten lasse. Indes erfordere Propaganda viel Geld und sei aufwändig. Das liegt am erforderlichen dauerhaften und systematischen Einsatz der PR-Mittel. Daher liegt die Propagandamacht in der Hand von nur wenigen.

Bernays hält das für einen Fortschritt, wohl nicht zuletzt, weil er selbst davon als Berater profitiert. Und weil er an die Steuerung der Gesellschaft durch wenige, mächtige, kluge Experten glaubt. Das ist gleichermaßen durchsichtig, weil Propaganda in eigener Sache, und fragwürdig, weil diese zu zweifelhaftem Zwecken eingesetzt wird. Indes vermittelt der Klassiker originäre Einblicke in das Wesen der Meinungsmanipulation. Es liegt an uns, ob wir uns den öffentlichen Lehren beugen oder entziehen.

Literatur: Edward Bernays: Propaganda. Die Kunst der Public Relations. Englische Erstauflage 1928, deutsche Neuauflage, Verlag orange press, Kempten 2009, 158 S., 16,90 Euro

Zuerst erschienen auf dem Blog früheren Forum Ordnungspolitik im Jahr 2013.

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