Geldentwertung – staatliche Falschmünzerei erneut stoppen

Geld ist eine Frage des Charakters. Das gilt gemeinhin für das persönliche Verhalten und trifft nicht minder auf das Verhalten des Staates sowie der von ihm privilegierten Zentralbanken zu.

Aufschlussreich ist überdies die Erkenntnis: Im Währungsstandard wird das Verhältnis von Bürger und Staat sichtbar. Um dieses Verhältnis war und ist es aus liberaler Sicht nicht gut bestellt. Am Beispiel der Inflation lässt sich das nachfolgend aufzeigen. Die gute Nachricht lautet, Inflation lässt sich einfach stoppen.

Inflation wurde und wird primär durch eine Ausweitung des Angebots von Geld und Krediten verursacht. Inflation bezeichnete ursprünglich das Ausweiten oder Aufblähen der Geldmenge. Der Anstieg der Preise, die Teuerung, ist eine Folge dieser Ausweitung. Das gilt zumindest dann, wenn das sogenannte Preisniveau, also die Preise in einem Wirtschaftsraum insgesamt steigen. Sonst steigen und fallen Preise verschiedener Güter und Dienstleistungen und genau das sollen sie in einer echten Marktwirtschaft so flexibel wie möglich tun.

Preise steigen

Seit einigen Monaten steigen jedoch viele, wenn nicht alle Preise: Lebensmittel, Rohstoffe, Energie, Alltagsgüter, Dienstleistungen – alles wird teurer. In Deutschland betrug z.B. der Anstieg der Güter, die den Verbraucherpreisindex bilden um 4,5%, im September waren es bereits 4,1%. Der VPI steigt seit Januar 2021 unaufhörlich. 20 Jahre lang war das nicht der Fall. Allerdings sind andere Preise in dieser Zeit massiv gestiegen, darunter Aktien, Immobilien und Kunstwerke. Das ist die sogenannte Vermögenspreisinflation.

Geldmenge ist zuvor gestiegen

Erstaunlich ist das nicht. Wer die Entwicklung der Geldmenge M3 im Euroraum seit 25 betrachtet und daneben die Entwicklung der Wirtschaftsleistung (BIP) legt, auch als jährliche Wachstumsrate und in konstanten Preisen, der stellt fest: die Geldmenge ist viel schneller gewachsen als die erwirtschaftete Mengen an Gütern und Dienstleistungen. Das BIP pro Kopf stagniert sogar im Zehnjahresvergleich. Die Folge dieser Diskrepanz ist Geldentwertung. Ich muss für dasselbe Produkt mehr Euro bezahlen.

Geldentwertung folgt zwangsläufig

Geldentwertung entsteht immer dann, wenn das Geldmengenwachstum das Gütermengenwachstum dauerhaft übertrifft.

Das 14. Jahrhundert war das Jahrhundert der Falschmünzerei. Das kann man beim Bischof Nicholas von Oresme im Traktat über Geldabwertungen nachlesen. Das 20. war das Jahrhundert der Hyperinflationen. Nun sind wir erneut in einer Inflationszeit angekommen. Die Beschwichtigungen der EZB, es handele sich lediglich um ein vorübergehendes Phänomen, wurden bereits kassiert. Thomas Mayer, Flossbach von Storch Research Institut, spricht von der Liraisierungdes Euro.

Zentralbanken sind Inflationsbehörden

Sie sorgen kontinuierlich für Geldentwertung, indem sie die Geldmenge ausweiten. Das galt auch für die Bundesbank, nur in geringerem Maße als das in Italien und Frankreich der Fall war. Davon profitiert der Staat, weil die Verschuldung erleichtert wird. Davon profitieren Finanzinstitute, die mit dem Geld rasch und mit finanziellen Hebeln und Absicherungen wirtschaften können. Darunter leiden die kleinen Leute, die das nicht können und weniger für ihr vielleicht hart erarbeitetes Geld bekommen. Verzicht ist beim Bürger die Folge.

Inflation ist eine unehrliche Handlung sowohl der Zentralbank als auch des Staates. Wenn die heutigen Regierungen die Geldmenge direkt oder indirekt über die Kreditvergabe der Geschäftsbanken aufblähen, tun sie nichts anderes als die Könige, die die Münzen fälschten. Beim heutigen Papier- und Digitalgeld ist das so als würde man Wasser in die Milch gießen oder das Brot mit Sägemehl strecken. Zugleich behaupten die Zentralbanker und Staatsführer noch immer, Inflation sei ein über uns gekommenes Übel, obwohl es fast jedes Mal eine beabsichtigte Politik ist. Wie ist es also um das Verhältnis von Staat und Bürger bestellt?

Auswege

Die gute Nachricht zum Schluss: Die Heilung von Inflation ist ganz einfach. Da Inflation eine Politik ist, muss man die Politik nur stoppen. Erforderlich ist eine Rückkehr zu Maß und Mitte. Das gilt für die Geldmenge, die Staatsausgaben und deren Finanzierung sowie die Finanzierung von Zombieunternehmen, aber auch für den Umgang mit Krisen. Das Zeitalter des Staatsinterventionismus mündet unweigerlich in eine inflationäre Entwicklung.

Historisch bewährte Alternativen zum ungedeckten Geldmonopol waren Goldstandard und Free Banking. Geldfreiheit wäre der konsequente nächste Schritt um die titanischen Zentralbanken zu entmachten.

 

 

Nachtrag: Inflationäre Missverständnisse

Beim Thema Inflation kursieren immer wieder dieselben Missverständnisse.

    1. Die Erhöhung der Geldmenge bewirkt nicht allein und sofort einen Preisanstieg und eine Entwertung des Geldes. Ein differenziertes Verständnis ist immer möglich. Nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität des Geldes ist relevant und damit der erwartete Wert angesichts einer erwarteten Geldmenge und nicht nur die aktuelle. So können Preise vorauseilend erhöht werden und eine frühzeitige Flucht in Sachwerte ist möglich. Es ist letztlich so wie beim Preis für jedes andere Gut auch, physische und psychische Faktoren spielen eine Rolle.
    2. Es gibt unterschiedliche Motive für die Nachfrage nach Geld: Halten (Horten), Konsumieren (Güter kaufen), Sparen (Investitionen tätigen). Zu viel Geld hat Folgen, zu wenig auch: Inflation und Deflation. Die Zentralbanken wissen als Behörden anders als Märkte nicht wie viel Geld benötigt wird. Wäre das der Fall, könnte man auch eine Zentralverwaltungswirtschaft für die übrigen Güter einrichten.
    3. Von stabilem Geld spricht man, wenn Geldwertstabilität herrscht, also die Kaufkraft stabil bleibt. Preisstabilität ist nicht Geldwertstabilität. Preise sollen nicht stabil sein, sondern flexibel angepasst werden. Die Kaufkraft des Geldes soll jedoch unverändert bleiben, Geld damit so neutral wie irgend möglich sein.
    4. Oft wird behauptet, die Umlaufgeschwindigkeit sei wichtig für die Berücksichtigung der Inflation. Die Umlaufgeschwindigkeit ist jedoch vor allem die Folge einer geringeren Wertschätzung der Währung und der Erwartung ihres weiteren Verfalls. Die Umlaufgeschwindigkeit ist aber nicht die Ursache für den Wertverfall. Die individuelle Wertschätzung ist es, die die Geschwindigkeit steigen lässt, nicht irgendein abstraktes mechanisches Prinzip.
    5. Güterknappheit ist ein weiterer Irrtum, der für Inflation angeführt wird. Preissteigerungen durch knappe Güter können vereinzelt und infolge einer Politik wie der Corona-Politik auftreten, nicht aber als Anstieg des Preisniveaus insgesamt. Die Hyperinflationen von 1923 und 1948 resultierten nicht aus einer Güterknappheit.
    6. Das gilt auch für Staatsdefizite deren inflationären Druck sowie die vermeintliche Lohn-Preis-Spirale. Ohne Geldmengenerhöhung wären die Folgen Staatsbankrott und Arbeitslosigkeit.
  
   

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