Liberalismus als Strategie

Liberalismus ist eine Strategie. Liberalismus ist eine Weltsicht und ein flexibles System, das Beste, um Krisen zu bewältigen sowie eine dynamische Stabilität von Gesellschaft, Wirtschaft, Umwelt und vielem mehr zu gewährleisten. Vielseitigkeit ist ein Merkmal von Liberalismus. Dazu gehört die Offenheit, Probleme genauso wie geeignete Mittel zu deren Behebung zu erkennen.

Wer heute von Krisen spricht, sollte vom Liberalismus nicht schweigen. Wer nach Lösungen für Probleme in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sucht, der findet sie zu allererst beim Liberalismus. Nie war Liberalismus so out und zugleich so not-wendig.

Wie das?

Lösungen ohne Liberalismus sorgen für Folgendes:

  • Auslandseinsätze wie 20 Jahre Afghanistan-Krieg enden mit einem Status quo ante minus mehr als einer Billionen Euro Ausgaben und tausenden Toten und Verwundeten. Mit Liberalen ist anmaßendes State- und Nation-Building nicht zu machen, auch nicht mit gut gemeinten moralischen Argumenten. Liberale Zurückhaltung ist indes unbeliebt.
  • Die Finanz- und Staatsschuldenkrise beruht auf einem inflationären Zentralbankmonopol und verfehlter, privilegierender Regulierung. Mit Liberalen gibt es keine Null- und Negativzinsen, keine Bankenrettung auf Kosten der Steuerzahler, keine Privilegierung zu Bereicherungszwecken. Währungswettbewerb ist indes unbeliebt.
  • Flüchtlingskrise 2015: Liberale achten streng auf eine Ziel-Mittel-Relation. Der Masse der Flüchtlinge wäre vor Ort und in den Nachbarländern geholfen, wo viele bleiben wollten. Das hätte (massive) Hilfe dort erfordert. Der Wohlfahrtsstaat macht Einwanderung teilweise attraktiv. Liberale sind für offene Grenzen, aber nicht naiv in Transfersysteme und mit faktischem Berufsverbot für Flüchtlinge und Migranten. Deregulierung der Arbeitsmärkte und Reformen sozialer Sicherung sind im Vergleich zu Transfers indes unbeliebt.
  • Corona-Krise: Um es kurz zu machen war der Kipppunkt in die inakzeptable Illiberalität der Wechsel vom Schutz schützenswerter Menschen zum Kollektivismus penibler, weltfremder Vorschriften für das Verhalten im alltäglichen und privaten Leben mit symbolpolitischen Lockdowns und Impfpflicht. Liberalere Praktiken z.B. in Schweden, wiederholt in Dänemark, dauerhaft in Florida und Texas waren indes unbeliebt.
  • Energie-Krise: Liberale wissen, dass jede planwirtschaftliche Revolution scheitert unter enormen monetären und menschlichen Kosten. Marktwirtschaftliche Alternativen und Anpassungsmaßnahmen sind geeignete Mittel, um mit dem sich stetig wandelnden Klima und Menschen oder nicht Menschen gemachter Erwärmung umzugehen. Marktwirtschaftlicher Umweltschutz ist nicht nur unbeliebt, sondern gilt (faktenwidrig) als unmöglich.

Für einen „Systemaufbruch“ (Martin Kornberger), für ReFormen sind liberale Erkenntnisse unverzichtbar und zumeist der strategische Ansatz par Excellence.

Warum?

Liberale haben einen Plan, der Wunsch und Wirklichkeit in Übereinstimmung bringt.

Eine liberale Strategie ist kein abzuarbeitender Plan, sondern der Versuch verschiedenen Handlungen eine Leitlinie zur Verfügung zu stellen. Freiheit dient der Mehrung der Handlungsmöglichkeiten und der Mehrung von bestmöglich koordiniertem Wissen. Eine liberale Strategie macht Gebrauch von (unabsehbaren) Entwicklungen und geeigneten Mitteln zum Zweck der Wohlstandsmehrung und zum Lösen von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen. Das bedeutet allgemeine Regeln für alle statt Privilegien für Gruppen und Identitäten.

Entscheidende Bedeutung kommt den dezentralen, lokalen, agilen Handlungen zu, die sich durch eine liberale Strategie der Freiheit, des Eigentums und des Rechts zu einem Gesamtzweck verbinden. Dabei gilt: minimale kollektive Vorgaben und maximale individuelle Flexibilität – zuvorderst Schutz von Leib, Leben und Eigentum.

Liberalismus bietet eine Strategie und setzt auf größtmögliches taktisches Handeln, das der Situation angemessen ist. Was zu tun ist, das wissen die Menschen vor Ort meistens am besten.

In Anlehnung an Martin Kornberger ist Taktik der Rohstoff, aus dem die liberale Strategie ihre Effekte erzielen kann. Das ist die Aufwertung der Kunst menschlichen Handelns, der Ludwig von Mises mit Human Action ein Denkmal gesetzt und zugleich eine umfassende Strategie gegeben hat. In militärischer Hinsicht ist Liberalismus Auftragstaktik, während Etatismus und Sozialismus Befehlstaktik sind. Wer überlegen ist, steht seit langem fest.

Eine liberale Strategie zeichnet sich dadurch aus, dass sie Kontexte herstellt und Beziehungen mehrt. Liberalismus bietet einen Ordnungsrahmen, ein natürliches Anreizsystem, eine Handlungsgrundlage, die dem einzelnen Menschen nicht das Handeln vorschreibt, sondern die bestmögliche Koordination aller Aktivitäten und allen Wissens ermöglicht.

Liberale nutzen wenig Strategie, wenige Ziele, wenige Mittel, um Frieden, Wohlstand und Sicherheit zu erreichen. Dabei werden sie nicht nur der dynamischen Komplexität unserer Zeit gerecht. Sie setzen zugleich die geeigneten Mittel zur Erreichung von Zielen ein und verfolgen regelmäßig auch die besseren Ziele. Nicht Mietpreisbremse, sondern Preissignale, die uns sagen, was wir zu tun haben, was oft das Gegenteil von dem ist, was wir tun wollten. Nicht Energie verteuern bis zum Armutsausgleich, sondern Bewährtes bestehen und moderne Technologien und Verfahren entwickeln lassen – nicht die Erde abkühlen wollen, sondern Anpassung zulassen und dafür vorbereitet sein.

Liberale planen gerade nicht alle vermeintlich notwendigen Schritte, um ein Ziel zu erreichen, sondern setzen auf die flexible Anpassungsfähigkeit, die zum Erreichen des Ziels immer erforderlich ist, weil detaillierte Pläne regelmäßig scheitern.

Liberale denken nicht in linearen Kausalketten, sondern in einer vernetzten, durch Wechselwirkungen und Feedbacks gekennzeichneten Realität.

Gerade weil sich viele Menschen in einer radikal unsicheren Welt einfache Antworten wünschen, weil sie tun möchten, was ihnen jemand sagt, was als moralisch gut angesehen wird und ihre Emotionen bedient, wird es weiter Leid und Trauer im Übermaß geben. Dafür sind die Bedingungen geradezu ideal.

  
   

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Kolumne Attack Titans

Große Themen und Gegner des Liberalismus (=> zur Kolumne)

Denkanstoss

"Der wahrhaft große Mensch ist der, der niemanden beherrscht und der von niemandem beherrscht wird."

Khalil Gibran (1883-1931)

Zeitlos

"Nur der Schwache wappnet sich mit Härte. Wahre Stärke kann sich Toleranz, Verständnis und Güte leisten."

Zilly Boesche-Zacharow

Zitat Zur Freiheit

"Läuft im Radio großartige Musik, ist das wie ein natürlicher subversiver Akt gegen die kontrollierten Nachrichten, die täglich von den Machthabern, den Werbefirmen, den Mainstreammedien, den Nachrichtenagenturen und den Wächtern des Status quo mit ihrer Geist, Seele und Lebenslust abstumpfenden Agenda über den Äther geschickt werden."

Bruce Springsteen