Staatliche Entwicklungshilfe war schon immer schädlich

Wer über staatliche Entwicklungshilfe spricht, sollte die Argumente von Peter T. Bauer kennen.

Peter T. Bauer (1915-2002) war der profilierteste liberale Ökonom, der staatliche Entwicklungshilfe kritisierte. Der gebürtige Ungar tat das aufgrund seines profunden wirtschaftswissenschaftlichen Wissens und aus praktischer Anschauung, die er im Zuge seines Lebens in Entwicklungsländern gewonnen hatte. Der Professor an der London School of Economics wurde wegen seiner Verdienste geadelt, erhielt einen Sitz im britischen House of Lords und war Fellow der British Academy.

Quelle des Fotos: Independent Institute

Drei pointierte Formulierungen geben einen Eindruck von seiner Überzeugung:

  1. „Entwicklungshilfe ist der Prozess durch den die Armen in reichen Ländern die Reichen in armen Ländern subventionieren.“
  2. Die Entwicklungshilfe basiert auf der Annahme, gute Berater würden gute Politik formulieren, die von guten Regierungen zum Wohl der Gesellschaften realisiert werde. Diese Annahme ist durchweg falsch.
  3. Entwicklung besteht vielmehr in der Ausweitung individueller Wahlmöglichkeiten. Die Rolle des Staates beschränkt sich auf den Schutz von Leben, Freiheit und Eigentum, so dass die Menschen ihre eigenen Ziele und Wünsche verfolgen können.

Überaus lesenswert ist der Vortrag, den Peter Bauer am 26. Juni 1980 bei der Ludwig-Erhard-Stiftung in Bonn gehalten hat. Der Band Symposium VII enthält eine „Zwischenbilanz der Diskussion über eine neue Weltwirtschaftsordnung“. Dazu gehört auch eine kritische Diskussion des Bauer-Vortrags „Die Entwicklungsländer in der Weltwirtschaft: Entwicklungshilfe und globale Umverteilung“, der die Summe seiner Einsichten und Erfahrungen bündelt. Die Überlegenheit Bauers in der Diskussion ist beeindruckend. Wenn man nur einen Satz herausgreifen möchte, dann vielleicht diesen:

„Der materielle Wohlstand hängt eben nur von einem einzigen Faktor ab: von den Menschen und ihrer Wirtschaftsordnung.“ (S. 64)

Die Aufgabe der entwickelten Länder fasst Peter Bauer in den Schlussbemerkungen des Symposiums wie folgt zusammen: „Laßt sie in Frieden. Freihandel und Abbau unserer Importrestriktionen gegenüber diesen Ländern – das ist alles, was wir in unserer amtlichen Eigenschaft zu tun brauchen.“ (S. 133)

Wer sich für zentrale Aussagen des Vortrags interessiert, der findet einige in der nachfolgenden Auflistung:

  • Die staatliche Entwicklungshilfe hat die Dritte Welt geschaffen – als ein Kollektiv von Regierungen, das sich ständig gegen den Westen wendet. (S. 25) Ausgangspunkt ist die Punkt-Vier-Erklärung von Präsident Truman im Januar 1949. (S. 26)
  • Die Entwicklungshilfe hat zur Politisierung des Lebens in der Dritten Welt beigetragen. (S. 25) Diese Politisierung hat in vielen Ländern zu Konflikten und Spannungen geführt. (S. 27)
  • „Öffentliche Entwicklungshilfe fließt an Regierungen. Damit stärkt sie die Macht der Regierungen und fördert die Günstlingswirtschaft. Dadurch wird die Herrschaft der Regierungen über den Rest der Gesellschaft gestärkt. Öffentliche Hilfe fördert auf diese Weise die unselige Politisierung des Lebens in der Dritten Welt. Dadurch verschärft sie den Kampf um die Macht. Daraus erwachsen Spannungen und Konflikte…“ (S. 29)
  • Viel westliche Entwicklungshilfe ist an reiche Staaten geflossen, darunter OPEC-Länder, und an Länder im Krieg sowie schließlich an Regierungen, deren Politik die Menschen verarmen lässt. (S. 28)
  • Viele Länder entwickelten sich schnell bevor es staatliche Entwicklungshilfe gab. Die Entwicklungshilfe macht etwa 0,2% des BSP der Empfängerstaaten aus. (S. 29)
  • Entwicklungshilfe bestärkt die Meinung, dass eine Verbesserung der Lage von externen Bedingungen abhängt. (S. 30)
  • Entwicklungshilfe kann den materiellen Fortschritt der Empfängerländer nicht wesentlich beschleunigen. Der maximale Beitrag besteht in den entfallenden Zinskosten für Darlehen der Regierungen, die diese auf den internationalen Kapitalmärkten aufnehmen können. Zugleich hemmen sie den Fortschritt. (S. 30) Der Beitrag zum Fortschritt ist maximal minimal, wahrscheinlich negativ. (S. 31)
  • Zu den empirischen Befunde nach Jahrzehnten Entwicklungshilfe gehören auch folgende Tatsachen: geringer Lebensstandard, wiederholte Hungersnöte, zusammenbrechender marktwirtschaftlicher Tausch und öffentliche Sicherheit sowie Gesundheitsfürsorge – zusammengenommen als Rückentwicklung bezeichnet. (S. 31)
  • Die Linderung der Armut ist das überragende Ziel und die Entwicklungshilfe erhalten nicht die Armen, sondern die Regierenden. Das Ziel führt in der Praxis zu einer dauerhaften weltweiten Almosenvergabe und zu dauerhafter Armut. (S. 30, 32)
  • Ändern müssten sich die Menschen und die Werte, Einstellungen und Lebensweisen sowie die Institutionen. Solche Änderungen würden die Regierungen indes ablehnen. (S. 35)
  • „Der Westen hat nicht die Armut in der Dritten Welt verursacht. Im Gegenteil, gerade die Beziehungen zum Westen sind die Hauptantriebskraft für den materiellen Fortschritt in diesen Ländern.“ (S. 37) Außerdem gab es bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Afrika kein einziges Rad und keine Straße. (S. 137)
  • Viele der heute reichsten Länder waren vorher selbst Kolonien. (S. 38f.)

Zeitlos und auf viele Kontexte beziehbar erscheint: Sozialwissenschaftler schaffen Probleme. Ungleichheit sei erst zu einem Problem geworden als es Sozialwissenschaftler zu einem gemacht hätten.

Gerade wer sich nicht für die Ansichten und Erkenntnisse von Peter Bauer erwärmen kann, wird diese auch heute als Prüfsteine verwenden können.

  
   

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