Verbesserung und Verschlechterung von Lebensbedingungen

Die Verbesserung unserer Lebensbedingungen ist grandios. Wir können uns und vor allem unseren Eltern, Großeltern und unseren Vorfahren weit zuvor auf die Schulter klopfen. Spätestens seit der Industriellen Revolution, die eine institutionelle Revolution war, hat die Menschheit einen Entwicklungsspurt hingelegt, der einer Marathonstaffel gleicht. Wir dürfen dankbar sein, insbesondere unzähligen Menschen, die wir nicht kennen und nie kennenlernen werden.

Bis vor kurzem galt: Die Welt wird immer besser. Wir leben in der besten aller Welten. Immer mehr Menschen geht es immer besser – nie ging es so vielen so gut. Der Fortschritt ist seit 250 Jahren nicht aufzuhalten. Selbst Weltkriege sorgten nur für eine Delle, wenn auch die individuellen Schicksale in diesen dunklen Zeiten millionenfach furchtbar waren. Die entscheidenden Maßstäbe für ein gelingendes Leben, zunächst für das Überleben, haben sich dramatisch verbessert: darunter Ernährung, Sauberkeit, Wohlstand statt Armut, Alphabetisierung, drastisch gesunkene Opferzahlen durch Umweltkatastrophen und als Folge all dessen und vieler weiterer Errungenschaften die Lebenserwartung. Wer vom Gegenteil überzeugt ist, der kann sich sehr rasch eines Besseren belehren lassen, etwa durch einige Blicke auf die Grafiken (rechts) und den Begleittext (links) in Guido Mingels „Früher war alles schlechter. Warum es uns trotz Kriegen, Krankheiten und Katastrophen immer besser geht“. Die Krux ist, wenn man in einer Delle lebt.

Wie lässt sich diese grandiose Entwicklung erklären?

Am Anfang und mitten im Geschehen steht die Beobachtung von Adam Smith: „Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Bäckers und Brauers erwarten wir das, was wir zum Leben brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen.“ Der Urvater der Volkswirtschaftslehre postuliert, das Nutzenstiften für andere Menschen ist mit dem eigenen Vorteil verbunden – und zwar regelmäßig für Menschen, die wir nicht kennen. Der berühmte Schotte setzte einen Kontrapunkt zum damals vorherrschenden Merkantilismus, der leider heute wieder Anhänger findet, und wies den Weg zum Wohlstand.

Der Übergang zur Marktgesellschaft mit vielfach anonymen Beziehungen über den eigenen Alltagshorizont hinaus führte dazu, dass Arbeitsteilung, Produktion und Produktivität in nie gekanntem Ausmaß gesteigert wurden. Der Moralphilosoph und Aufklärer wies auf eine heute wenig präsente Tatsache hin: „Die Arbeit, die ein Volk alljährlich leistet, schafft die Mittel, um es ursprünglich mit all den lebensnotwendigen Gütern und Annehmlichkeiten zu versorgen, die es alljährlich konsumiert und die stets entweder in unmittelbaren Ertrag dieser Arbeit oder in dem bestehen, was für deren Ertrag von anderen Völkern gekauft wird.“ Wohlstand muss geschaffen werden. Verteilen kann man nur, was geschaffen wurde, und Wohlstand entsteht nicht voraussetzungslos.

Während heute das Gemeinwohl ein allgegenwärtiges Lippenbekenntnis ist, wusste Adam Smith noch, dass es sich um einen Nebeneffekt des eigennützigen Wohlfahrtsstrebens handelt. Voraussetzung dafür war eben seinem Mitmenschen einen Nutzen zu stiften.

Hier kommen die allgegenwärtigen Mahner ins Spiel, gehen auf die Kollektivebene, weg vom Individuum, und warnen vor Marktversagen und Monopolbildung. Die Österreichische Schule der Nationalökonomie hält von beiden Vorwürfen wenig. Marktversagen wird zu oft behauptet, wenn es lediglich zu politisch nicht erwünschten Ergebnissen kommt, und die übelsten, hartnäckigsten Monopole sind regelmäßig das Resultat staatlicher Privilegien.

Gemeinwohlübel

Insbesondere die Krisenpolitik der letzten Jahre lässt einen unverstellten Blick auf das sozialschädliche Verhalten zu, dass Volksvertreter von Bürgern beauftragt sowie Staatsbedienstete zu verantworten haben. Seit der Finanz- und Staatsschuldenkrise, der Flüchtlingskrise und mit der Corona-Politik ist die soziale Schädigung in kurzer Taktung unübersehbar geworden. Wer die konstituierenden Prinzipien der Wettbewerbsordnung von Walter Eucken abprüft, wird schnell massive Verstöße gegen ein funktionsfähiges Preissystem, eine asoziale Geldpolitik, einen beschränkten Zugang zu Märkten, die Missachtung des Privateigentums und die Beschränkung der Vertragsfreiheit sowie eine Aushebelung des Haftungsprinzips und eine Unsicherheit schürende (Wirtschafts-)Politik erkennen.

Die Empirie der Vergangenheit zeigt überdeutlich, dass die Herrschaft des Rechts, ein friedlicher Wechsel von Regierungen, Humankapital und eine solide Wirtschaftspolitik die Lebensbedingungen positiv beeinflussen. Die Koordination der wirtschaftlichen Aktivitäten ist dabei Sache der dezentralen Preisbildung und die der gesellschaftlichen Aktivitäten obliegt dem dezentralen und lokalen Handeln der Bürger. Die drei Koordinationsprobleme – Was soll produziert werden? Wie soll es produziert werden? Und wie sollen die Ergebnisse verteilt, konsumiert und investiert werden? – lösen freie Menschen auf freien Märkten und in freien Gesellschaften am besten selbst. Das gilt auch für ihre heteronomen Moral- und Wertvorstellungen. Der Staat tut nichts Gutes, sondern das Rechte.

Für Liberale ist klar: In beiden Bereichen hat der Staat mit seinen Behörden nichts zu schaffen. Einzige Ausnahme ist die Sicherung von Frieden und Freiheit im Innern und nach außen. Das schließt das Durchsetzen von Recht, auch als Eigentumsschutz, ein. Parteinahme ist indes keine Staatsaufgabe.

Leider neigen Menschen in politischen Vereinigungen dazu, den Ängsten der Menschen mit dem Schutzversprechen staatlichen Handelns zu begegnen. Christian Pieter Hoffmann erläutert in einem lesenswerten Paper des Liberalen Instituts den Mechanismus: „Die Macht des Negativen in Verbindung mit dem Hang zur Handlung führt in einem System staatlich organisierter Gesellschaften, zumal demokratischer Staaten, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dazu, dass die Bürger nicht nur allzu häufig sorgenvoll auf Bedrohungen blicken, sondern von der Politik die Abwendung dieser Bedrohungen erwarten.“

Ausweg

Und hier sind sie wieder, die sozialen Probleme staatlichen Handelns. Der ungarische Sozialphilosoph und Ökonom Anthony de Jasay, der vor den Sozialisten in Ungarn floh, formulierte es so: „Es ist nutzlos zu sagen wir brauchen eine bessere Regulierung. Wir sollten stets etwas Besseres nehmen als was auch immer wir haben, aber es ist infantil zu denken, dass wir das immer können und es zu sagen es geschehen lassen wird.“

Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem es grundsätzlich zu überdenken gilt, wer für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse sorgt und wer nicht. Der Gemeinwohl-Katechismus wohlmeinender Politiker und edlen Staatshandelns bedarf einer Überarbeitung. Viele Menschen in Deutschland beginnen Wohlstand zu verlieren.

Was ist das Problem? Wer aus dem Ausland auf Deutschland schaut, findet viel Wahrheit in den Worten, die Anthony de Jasay vor eineinhalb Jahrzehnten in der NZZ schrieb: „Eine sozialmasochistische Gesellschaft weigert sich einzugestehen, dass sie gequält wird, und sieht nicht ein, dass der Schmerz von ihr selbst verursacht wird.“

  
   

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Kolumne Attack Titans

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