Buchbesprechungen
Buchbesprechungen

Politik oder keine Politik – ist das die Frage?

Kritische Anmerkungen zu Michael Huemer „Wider die Anmaßung von Politik“ von Michael von Prollius Download als pdf: FFG_Rez_150913_Huemer-Kritik Kaum etwas erregt die Gemüter derart wie Politik. Mit Politik ist stets die Staatsfrage verbunden, wenn auch heute der Staat nur selten in Frage gestellt wird. Das ist radikalen Denkern überlassen, also denen, die an die Wurzel (ad radix) gehen. Michael Huemer, Professor für Philosophie an der Universität von Colorado, widmet sich eingehend einer solchen Wurzel-behandlung. In Insider-Kreisen …

Literarischer Antiliberalismus par excellence

Bernard Maris: Michel Houellebecq, Ökonom. Eine Poetik am Ende des Kapitalismus, (franz. Erstauflage Paris 2014) Dumont Buchverlag, Köln 2015, 142 S., 18,99 Euro. Der bekannte französische Ökonom Bernard Maris hat noch zu Lebzeiten eine Text-Collage erstellt. Je nach Betrachter treten unterschiedliche Aspekte hervor. Verbunden sind die Teile einerseits durch wirtschaftspolitische Assoziationen, die ihren Ursprung in Romanen des umstrittenen Schriftstellers Michel Houellebecq haben. Maris ökonomische Position kommt in seiner Forderung nach einer Vergesellschaftung des Geldes zum …

Alternativen zum herrschenden Geldsystem

Ottmar Schneck und Felix Buchbinder: Eine Welt ohne Geld. Alternativen zum bisherigen Geldsystem, UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz und München 2015, 256 S., 19,99 Euro. Der Titel „Eine Welt ohne Geld“ macht stutzig. Zuviel Geld in der Welt hat zur Finanz- und Staatsschuldenkrise geführt. Wenn Euro, Yen und Dollar verbrannt werden, wie auf dem Cover abgebildet, dann trifft das zunächst primär die Finanzindustrie, weniger die Realwirtschaft. Allerdings geht es nicht ohne Geld, wenn wir nicht in eine …

Unartige Beobachtungen zum deutschen Alltag

Harald Martenstein: Die neuen Leiden des alten M. Unartige Beobachtungen zum deutschen Alltag, C. Bertelsmann Verlag, 3. Aufl. München 2014, 204 S., 16,99. Wer den ewiggleichen politisch korrekten Äußerungen entkommen möchte, dem seien die unartigen Beobachtungen von Harald Martenstein empfohlen. Ein Fülle pointierter kurzer Texte, die zwischen 2012 und 2014 in der ZEIT und dem TAGESSPIEGEL erschienen sind, ist in dem handlichen Buch versammelt. Von der Sargpflicht über Toiletten in Kreuzberg, Schönheitswettbewerbe, Jungs, Väter, Mütter, Männer, …

Die Deutschland AG (Rezension)

Die Deutschland AG (Rezension) Unternehmerisches Handeln ist zielgerichtet, auf Gewinn ausgerichtet und erfolgt unter dem Eindruck von Unsicherheit. Auf Märkten können Unternehmen Profite erzielen durch Arbitrage, erfolgreiche Spekulation über zukünftige Konsumentenwünsche und Innovationen. Permanent entstehen neue Gewinnmöglichkeiten aufgrund veränderlicher Marktdaten, darunter Präferenzen und Technologien. Erfolgreiche Strategien werden nachgeahmt, wenn ein freier Marktzu- und Marktaustritt möglich ist. Die Profitmöglichkeiten nehmen ab, der Wettbewerb beseitigt „gesellschaftliche Suboptimalität“ (Israel Kirzner). Im Zentrum politischen Handelns stehen demgegenüber das Erlangen …

Gewaltmärkte forcieren Staatsbildung

Download des Working Paper: FFG_150412_Gewaltmärkte-Staatsbildung_MvP „Gewaltoffene Räume“ gibt es am Rande Europas wieder zuhauf. Neben den kriegerischen Auseinandersetzungen im Ukraine-Krim-Konflikt erregt der Islamische Staat mit seinen Dependancen in Irak, Syrien, Ägypten und Libyen weltweit Aufmerksamkeit. In beiden Konfliktzonen sind staatliche Streitkräfte und nicht-staatliche bewaffnete Kräfte beteiligt, dazu gehören auch Söldner. Neugierig macht da eine aktuelle Publikation aus dem Verlag Duncker & Humblot mit dem Titel: „Söldnerlandschaften. Frühneuzeitliche Gewaltmärkte im Vergleich“. Zwar haben es Sammelbände immer wieder …

Der Klodeckel: Bürgerliche Korrektur der Meinungsmanipulation

Ramin Peymani: Endstation Klodeckel. Sind wir wirklich noch zu retten? BoD, Norderstedt 2015, 115 S., 6,95 Euro. Ramin Peymani ist ein Vorbild. Nein, er zählt nicht zu den glamourös inszenierten Stars, die bei genauerem Hinsehen menschlich regelmäßig unter Sternchengröße zusammenschrumpfen. Und der kommunale Parteipolitker ist auch keiner der Politprofis, die unter dem Deckmantel des Gemeinwohls tatsächlich persönliche und parteiliche Interessen vertreten. Vielmehr glänzt der liberale Kommentator und Privatier durch seine freisinnige Kolumne „Klodeckel des Tages“. …

Auf dem Holzweg

Lambert Liesenberg: Investieren in Holz. Chancen, Märkte, Hintergründe, Finanzbuchverlag München 2015, 196 S., 29,99 Euro Alternativen zu herkömmlichen Investments sind grundsätzlich sinnvoll und heute angesichts der gleichermaßen Unsicherheit schürenden wie unverantwortlichen Politiken der Zentralbanken mit realen Negativzinsen geboten. Der Finanzbuchverlag hat mit Austrian Investing – Österreichische Schule für Anleger – die Messlatte hoch gelegt. Leider kann das optisch gut aufgemachte Buch von Lambert Liesenberg inhaltlich nicht mit dem österreichischen Trio mithalten. Im Grunde lässt sich …

Sicherheit durch Gewaltmonopol oder Gewaltwettbewerb?

(mvp) 1849 erschien im Journal des Économiste ein epochaler Aufsatz: „De la production de la sécurité“, verfasst vom belgischen Ökonom Gustave de Molinari (1819-1912). Die Kernaussage lässt sich mit nur einem Ein-Satz-Zitat wiedergeben: „Das Interesse des Konsumenten eines jedweden Gutes muss immer Vorrang gegenüber dem Interesse des Produzenten genießen.“ Ein einziges Wort macht den Unterschied: jedweden. In seinem überaus anregenden Aufsatz versucht der relativ junge Molinari nämlich zu belegen, dass Sicherheit nicht von dem herkömmlichen …

Die Umwertung aller Werte als Ziel der Nationalsozialisten

Im Archiv für Sozialgeschichte ist meine Rezension von Wolfgang Bialas: Moralische Ordnungen des Nationalsozialismus erschienen. Ein Auszug: “Wolfgang Bialas’ Ausführungen erwachsen aus dem etablierten Erklärungsmuster: Die Vernichtung der Juden und die Verteidigung des Handelns der dem Nationalsozialismus Wohlgesinnten fußten ideologisch auf der Umwertung der Werte, die Juden als minderwertige Rasse ohne Moralanspruch herabsetzte. Die Realisierung und Verinnerlichung der pervertierten Moral erfolgten maßgeblich im KZ und im Krieg. In den Legitimationsversuchen für das national-sozialistische Handeln sollte …

Marx schlägt Marx

Stefan Blankertz: Mit Marx gegen Marx. 11 x 11 Thesen, 111 edition g, Berlin 2014, 153 S., 10,00 Euro. Der erste, zuweilen auch letzte Satz eines Buches gilt Bibliomanen als essentiell. Stephan Blankertz entfaltet zwischen „Grün schillernder Mistkäfer.“ und „Ein paar abgeschlagene Köpfe, der Spaß aber geht unendlich fort.“ seine Marx-Kritik mit Marx-Schriften. In 11 Kapiteln mit jeweils 11 Unterkapiteln re- und dekonstruiert der Wortmetz aus Berlin Marx: Die marxistische Staatskritik wird rekonstruiert, die Kapitalismuskritik …

Pikettys Anthologie von Irrtümern

Ein Kommentar zum Buch von Thomas Piketty: „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ von Hubert Milz Auf einem Symposium des Lord Acton Kreises, einem lockeren Kreis von wirtschaftsliberal orientierten Katholiken, im vergangenen Herbst in Wien wurde Thomas Pikettys Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ eingehend analysiert und einer systematischen Kritik unterzogen. Als Grundlage dienten unter anderem zwei Texte, die sich mit den Thesen Pikettys aus der Sicht der Österreichischen Schule der Nationalökonomie auseinandersetzen. Der eine Text …

Österreichische Schule für Anleger

Rahim Taghizadeghan, Ronald Stöferle, Mark Valek: Österreichische Schule für Anleger. Austrian Investing zwischen Inflation und Deflation, Finanzbuchverlag, München 2014, 347 S., 24,99 Euro. Balsam für die gehetzte Seele bietet der kompakte Theorie- und Praxis-Band für Anleger und Leser, die sich für tiefere Einsichten in das Finanzsystem interessieren. Die drei „Österreicher“ Rahim Taghizadegan (Institut für Wertewirtschaft, Wien), Ronald Stöferle (Incrementum AG, Liechtenstein) und Mark Valek (Incrementum AG, Liechtenstein) kombinieren philosophischen, ökonomischen und Investment-Sachverstand. Das Ergebnis ist …

Roland Baader: totgedacht – ein Vermächtnis

Roland Baader: totgedacht. Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören, Gräfelfing 2002, 280 S., 22,80 Euro. „totgedacht“ ist mein persönliches Lieblingsbuch von Roland Baader. Es ist ein Schlüssel zum Verständnis unserer Welt aus ideengeschichtlicher Perspektive und weist so zugleich einen Ausweg zum Besseren. Somit ist es ein sehr österreichisches, ein sehr hayekianisches Buch. Unsere (geistigen) Eliten sind immer wieder von kollektivistischen Ideologien fasziniert, die regelmäßig das Gegenteil von dem bewirken, was eigentlich beabsichtigt war, zumindest aber die …