Korporatismus, nicht Kapitalismus, ist das Problem

Der Kapitalismus war lange nicht Gegenstand einer derart selbstverständlichen Kritik. Spätestens seit der sogenannten Finanzkrise gehört es praktisch zum (vermeintlich) guten Ton, Kapitalismuskritiker zu sein. Verteidiger der Marktwirtschaft, die auf das umfassende Staatsversagen hinweisen, gelten als randständig. Eine Ausnahme wird allerdings gemacht, wenn man auf die Allianz von “Big Business” und Big Government” zu sprechen kommt, die beide vom herrschenden Finanzsystem profitieren. Hier würde man leichthin auch mit Verschwörungstheorien punkten. Hingegen kann man derzeit den Eindruck gewinnen, dass das Bekenntnis ein Liberaler zu sein, schon nicht mehr als randständig gilt, sondern als verdächtig.

Das Kernproblem ist eine Konfusion der Gedanken bei den Kapitalismuskritikern. Sie verwechseln Kapitalismus mit Korporatismus. Während im Kapitalismus nach ökonomischer Leistung und Nachfrage der Verbraucher und Kunden entschieden wird, geht es im Korporatismus der organisierten Interessen um die Mobilisierung von Einfluss auf politischem Wege. In der autoritären Variante hat das mit Zwangskorporationen zu tun wie sie in der 30er Jahren im Faschismus verbreitet waren. In der liberalen Variante geht es um eine zentralistische Steuerung der Wirtschaft unter Führung des Staates und Beteiligung von Verbänden z.B. in der (völlig gescheiterten) Konzertierten Aktion von 1967-1977.

Peter Sloterdijk brachte die Konfusion 2009 in “Die Revolution der gebenden Hand” prägnant zum Ausdruck: “Wir leben gegenwärtig ja keineswegs ‘im Kapitalismus’ – wie eine so gedankenlose wie hysterische Rhetorik neuerdings wieder suggeriert -, sondern in einer Ordnung der Dinge, die man cum grano salis als einen massenmedial animierten, steuerstaatlich zugreifenden Semi-Sozialismus auf eigentumswirtschatlicher Grundlage definieren muss. Offiziell heißt das schamhaft ‘Soziale Marktwirtschaft’.” Und später im Text schließt er mit dem Satz, der das Signum der neuen Zeit zu sein scheint: “So ist aus der selbstischen und direkten Ausbeutung feudaler Zeiten in der Moderne eine beinahe selbstlose, rechtlich gezügelte Staats-Kleptokratie geworden.

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