Buchbesprechungen
Buchbesprechungen

Der Dritte Weg führt nach nirgendwo

Philosophieren, vögeln, saufen. Das ist die herausragende Trias der 1940er Jahre in Paris, zumindest nach dem Ende der furchtbaren deutschen Besatzung, also nur für eine halbe Dekade. Dieser Eindruck entsteht, wenn man „Die magischen Jahre von Paris 1940 – 1950“ der Journalistin Agnès Poirier liest. Lag die Magie in der Zeit oder in einer sehnsüchtigen Betrachtung der Autorin? Vielleicht im Sowohl-als-auch. Politik hat eine reale und eine konstruktivistische Seite, genau wie das kaleidoskopartig betrachtete Leben …

Rätsel "Entfremdung der Eliten" gelöst

Warum scheint die Demokratie in Deutschland und dem Westen insgesamt mehr oder minder defekt zu sein? Warum entspricht das deutsche Parteiensystem allenfalls partiell den Präferenzen vieler Bürger? Warum haben sich die sogenannten politischen Eliten von der normalen Bevölkerung abgekoppelt? Diese Fragen stehen erst seit wenigen Jahren im Raum. Verschiedene hellsichtige Beobachter haben aktuell, aber auch bereits vor Jahren, mitunter Jahrzehnten Ursachen identifiziert, darunter den Niedergang des Nationalstaats als natürlichem Raum für eine parlamentarische Demokratie (Ralf …

Privatheit – Zitadelle der Freiheit

„Daß Menschen eine eigene Sphäre beanspruchen, wird von der Macht nur selten respektiert.“ Deshalb liegt ein Schlüssel für die Begrenzung der Macht von Menschen über Menschen in der Privatsphäre. Wolfgang Sofsky wertet sie zur Privatheit auf. Privatheit wird zur „Zitadelle persönlicher Freiheit“. Liberale sehen bislang vor allem im Privateigentum eine Säule der Freiheit. Ohne Privateigentum keine Freiheit, keine Marktwirtschaft, keine freie Gesellschaft. Das Eigentum einschließlich der Verfügungsgewalt ist ein Kern, wenn nicht das Fundament der …

Fiskalische Nachhaltigkeit erfordert institutionelle Kongruenz und Autonomie

In Berlin gibt es einen Spruch: „Was ist ein Kamel? Ein Kamel ist ein von einer Kommission entworfenes Pferd.“ Flapsig formuliert hat der Berliner Ökonom David Christoph Ehmke ein Kamel der politischen Ökonomie identifiziert, sogar zwei Kamele: Deutschland und die Eurozone. Im Mittelpunkt seiner an der Humboldt Universität bei Charles Beat Blankart entstandenen Dissertation steht die Frage welche Wege zur Nachhaltigkeit staatlicher Finanzen führen. David Ehmkes Antwort ist eine zweifache: Erstens sei institutionelle Kongruenz erforderlich, …

Herausforderung Kompromisslosigkeit

Ludwig von Mises gehört zu den großen Ökonomen und Sozialphilosophen. Seine Bekanntheit wächst seit der Finanzkrise in kleinen Schritten. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst des Ludwig von Mises Institut Deutschland, dessen Präsident Thorsten Polleit eine Einführung in sein Werk, verständlich für jedermann, in der Reihe Frankfurter Allgemeine Buch publiziert hat. Eingerahmt wird die Werkschau mit dem Schwerpunkt auf Mises’ Monographien durch Schilderungen des Lebens und Wirkens des Wiener und New Yorker Denkers, der nach …

Sozialismus mit freundlichem Gesicht

Download als pdf: FFG_190210_Sozialismus mit freundlichem Gesicht Kurzfassung Die Erneuerung des Liberalismus und der Erhalt seines Kerns sind zeitlose Aufgaben. Die kritische Auseinandersetzung mit Möchtegern-Liberalen gehört wesentlich dazu. Der nachfolgende Text wendet sich gegen das Anliegen von Lisa Herzog, die für einen vermeintlich zeitgemäßen Liberalismus wirbt, tatsächlich aber aus dem Liberalismus einen Sozialdemokratismus machen möchte. Gegentand der Auseinandersetzung ist ihr Buch: Freiheit gehört nicht nur den Reichen. Plädoyer für einen zeitgemäßen Liberalismus, C.H.Beck, München 2013, 207 …

Wettbewerb löst unsere politischen Probleme

LI-PAPER. Ständig wachsende Regulierungen, Steuern und Verschuldung sind nicht alternativlos. von Michael von Prollius Die westlichen Demokratien befinden sich in keinem guten Zustand: Die Wohlfahrtssysteme blähen sich immer weiter auf, während Steuern, Regulierungen und Schulden kontinuierlich ansteigen. Auf Stufe EU finden schädliche Zentralisierungsentwicklungen statt. Auf nationaler Ebene erhalten fragwürdige Bewegungen zunehmend Zuspruch. Was von der breiten Öffentlichkeit und den Medien viel zu wenig thematisiert wird, ist die Erkenntnis, dass politischer Wettbewerb das Erfolgsgeheimnis des europäischen …

Nationalismus kann eine Tugend sein

Globalisierung. Grenzenlosigkeit. Kosmopolitismus. Wir reisen durch die ganze Welt, die auch medial zusammenzurücken scheint. Wer die EU kritisch sieht, gilt als europafeindlich. Nationalstaaten sind out. Nationalismus ist gefährlich. Trump, Orban, Brexit, alles böse. Stopp! Nicht ganz so schnell. Vielleicht ist der Internationalismus, für den auf der Love Parade in Berlin Dr. Motte mit den Worten „One World, One Future“ eine einprägsame Formel gefunden hat, nicht der Weisheit letzter Schluss.   Scheinbar völlig unzeitgemäß und definitiv …

Spurensuche in der Demokratiekrise 

Politik und Gesellschaft des Westens sind in Bewegung. Neue politische Parteien reüssieren bei Wahlen, etablierte sind angeschlagen oder liegen danieder. Der Ton der Auseinandersetzungen ist rauer geworden, in den USA gar zutiefst feindlich. Während die herkömmlichen Medien in Deutschland überwiegend linke Ansichten vertreten, sind die neuen populistischen Kräfte in Europa überwiegend rechts, in Italien links und rechts. Dementsprechend moralisiert wird die Debatte geführt. Politisch eint linke und rechte Populisten die Ablehnung der liberalen Ordnung. Freihandel …

Politisches Denken, das inspiriert

Die Deutsche Gesellschaft zur Erforschung des Politisches Denkens (DGEPD) ist eine intellektuelle Adresse ersten Ranges. Zumindest vermittelt das nachfolgend besprochene Jahrbuch diesen Eindruck. Erfreulich, dass ich zufällig darauf gestoßen bin. Schade, dass das nicht schon früher der Fall war. Wer (politisch) denken mag und eine inspirierende geistige Heimat sucht, ist hier genau richtig. Eckdaten des Jahrbuchs Das Jahrbuch 2016 enthält auf 247 Seiten vier lesenswerte Abteilungen, die dem Editorial und einem Nachruf folgen: „Europa Denken“ …

Die Totengräber der Weimarer Republik

Der letzte Winter Weimars ist ein machtpolitisches Lehrstück. Jeder kennt die dramatische Zeit rasch wechselnder Regierungen von Papen über Schleicher bis zu Hitler zumindest in Grundzügen. Wie sehr hinter den Kulissen gerungen wurde, wie unsicher die Machtübertragung an Hitler bis zur letzten Minute war, weil noch im Vorzimmer des Reichspräsidenten Hindenburg um eine Koalition grfeilscht wurde, macht das Buch „Die Totengräber“ der Historiker Rüdiger Barth und Hauke Friederichs deutlich. Der inzwischen beliebte chronologisch-kaleidoskopische Ansatz hatte …

Literarische Lebenslehren

Literarische Lehren, die dem Leben entspringen, anekdotisch verpackt. Das enthält das Kompendium von 20 Briefen, die der fiktive Geschäftsmann John Graham an seinen Sohn Pierrepont schickt. Vom Eintritt in das Studium bis zur anstehenden Hochzeit schickt der besorgte Vater Ratschläge und gibt seinem Sohn Orientierungshilfe, zumal Pierrepont in seinem Unternehmen, der Fleisch produzierenden Union Stock Yards in Chicago, in den 1890er Jahren allmählich aufsteigt. Die Lehren, die der Vater seinem Sohn mittels (bemerkenswert später) brieflicher …

Blaupause für ein Fiasko

Sparen bedeutet Nichtkonsumieren. Sparen heißt für die Zukunft vorsorgen – mit Kapital von heute. Sparen bedeutet hingegen nicht, etwas nicht auszugeben, was man nicht hat, wie es leider permanent zur Austeritätspolitik heißt. Sparen und Konsum sind individuelle Entscheidungen, die nicht politisch gesteuert werden dürfen. Sparen ist eine Tugend und die Grundlage von Wohlstand und Wachstum. Wenn Menschen mehr konsumieren, können sie das nur tun, wenn sie weniger sparen. Dann fehlt das Kapital für Produktivitätssteigerungen und …

Einer bietet den Hexenjägern die Stirn

Vor 300 Jahren wurde bei der Hexenjagd all jenen der Prozess gemacht, die sich der herrschenden Lehre widersetzten. Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber sie reimt sich bekanntlich. Ramin Peymani, iranischstämmiger Buchautor und Publizist, urteilt: „Demokratie und Rechtsstaat leiden sichtlich unter dem Diktat einer mächtigen ‚Meinungselite’, die jeden ächtet, der nicht bereit ist, sich dem links-grünen Kanon anzuschließen.“ Wen wundert es, dass das Vertrauen in die etablierten Institutionen schwindet, sich die Menschen neue Informationsquellen und …